Welpen barfen
So gelingt die gesunde BARF-Fütterung im neuen Zuhause
Inhaltsverzeichnis
Welpen barfen: Die wichtigsten Fragen zum Start
„BARF ist doch viel zu kompliziert für Welpen.“ Diesen Satz hören viele Hundehalter, wenn sie darüber nachdenken, ihren jungen Hund mit frischen, selbst zubereiteten Rationen zu ernähren. Tatsächlich gibt es rund um die Welpenfütterung zahlreiche Empfehlungen, Warnungen und Mythen – und gerade Einsteiger sind dadurch oft verunsichert.
Dabei spielt die Ernährung in dieser Lebensphase eine besonders wichtige Rolle. Welpen wachsen in kurzer Zeit enorm, ihr Körper entwickelt sich rasant und auch Knochen und Muskulatur bauen sich Schritt für Schritt auf. Eine passende und ausgewogene Fütterung unterstützt diese Entwicklung und legt die Grundlage für ein gesundes Hundeleben.
Die gute Nachricht: Welpen können grundsätzlich problemlos gebarft werden. Auch eine Umstellung auf BARF beim Einzug ins neue Zuhause ist meist sehr unkompliziert.
In diesem Artikel erfährst du, worauf es bei der BARF-Ernährung von Welpen wirklich ankommt – von der richtigen Futtermenge über den Aufbau eines Futterplans bis hin zu den häufigsten Mythen rund um die Welpenfütterung.
Ist BARF für Welpen geeignet?
Grundsätzlich können Welpen problemlos mit BARF ernährt werden. Häufig wird empfohlen, junge Hunde zunächst mit industriellem Fertigfutter aufzuziehen und erst später auf Rohfütterung umzustellen. Das ist jedoch nicht notwendig und oft sogar kontraproduktiv.
Gerade während des Wachstums ist eine hochwertige und möglichst natürliche Ernährung besonders wichtig. In dieser Phase entwickelt sich der Köper des Welpen rasant – Knochen, Muskulatur und Organe bauen sich auf und müssen optimal versorgt werden. Eine ausgewogene Nährstoffzufuhr unterstützt diesen Prozess und schafft die Grundlage für ein gesundes Hundeleben.
Welpen müssen nach dem Absetzen von der Muttermilch nicht grundsätzlich anders gefüttert werden als erwachsene Hunde. Auch in der Natur erhalten Tierkinder nach dem Absetzen die gleiche Nahrung wie erwachsene Tiere ihrer Art. Der wichtigste Unterschied liegt vor allem in der Menge und Häufigkeit der Fütterung: Welpen fressen häufiger und benötigen im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht deutlich mehr Nahrung.

Exkurs: BARF und industrielles Welpenfutter – ein kurzer Vergleich
Zum besseren Verständnis lohnt sich ein kurzer Blick auf die Unterschiede zwischen BARF und industriell hergestelltem Welpenfutter.
Industrielles Welpenfutter ist in der Regel hochverarbeitet und enthält häufig vergleichsweise hohe Mengen an Kohlenhydraten. Trockenfutter für Welpen besteht sogar teilweise zu bis zu 50 % aus Kohlenhydraten, meist in Form von stärkehaltigem Getreide.
Junge Hunde können Stärke jedoch nur sehr eingeschränkt verdauen. Erst im Alter von etwa drei bis vier Monaten erreichen sie das Verdauungsniveau erwachsener Hunde – und auch danach ist der Verdauungstrakt des Hundes nicht auf große Mengen an Kohlenhydraten ausgerichtet.
Bei der BARF-Ernährung orientiert sich die Zusammensetzung der Rationen dagegen stark an natürlichen Beutetieren. BARF-Mahlzeiten enthalten daher in der Regel nur wenige Kohlenhydrate und basieren auf frischen, möglichst naturbelassenen Zutaten.

Welpen auf BARF umstellen – so klappt die Futterumstellung
Wenn ein Welpe mit etwa acht bis neun Wochen ins neue Zuhause einzieht, stellt sich für viele Halter schnell die Frage: Bleibe ich beim bisherigen Futter – oder kann ich direkt auf BARF umstellen?
Viele Welpen werden beim Züchter zunächst mit Fertigfutter gefüttert. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass Welpen meist sehr unkompliziert auf neues Futter reagieren. Eine direkte Umstellung auf BARF ist in diesem Alter häufig problemlos möglich, da sich die Verdauung schnell an neue Nahrung anpassen kann. Ein schrittweiser Übergang zum neuen Futter ist in vielen Fällen nicht notwendig.
Der Umzug selbst bedeutet für den Welpen jedoch eine große Veränderung. Die Trennung von Mutter und Geschwistern sowie die neue Umgebung können Stress verursachen. In den ersten Tagen kann es daher vorkommen, dass ein Welpe etwas weniger Appetit hat. In der Regel normalisiert sich das Fressverhalten jedoch schnell.
Eine langsamere Umstellung kann sinnvoll sein, wenn der Welpe bereits Verdauungsprobleme hat oder besonders empfindlich auf Futter reagiert. In solchen Fällen kann es helfen, die einzelnen Bestandteile der Rationen nach und nach einzuführen und die Verträglichkeit zu beobachten.
Wenn du dir bei der Umstellung unsicher bist, kann eine strukturierte Anleitung – wie eine BARF-Starthilfe für Welpen – zusätzliche Orientierung geben.
Wie viel BARF braucht ein Welpe?
Welpen benötigen deutlich mehr Nahrung im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht als erwachsene Hunde. Das ist ganz normal, da ihr Körper im Wachstum viel Energie und Nährstoffe benötigt.
Als grobe Orientierung gelten etwa 4–6 % des Körpergewichts pro Tag. In bestimmten Wachstumsphasen kann der Bedarf sogar bis zu 8–10 % betragen.
Im Laufe der Entwicklung verändert sich dieser Bedarf jedoch deutlich. Während Welpen in den ersten Lebensmonaten sehr schnell wachsen, verlangsamt sich das Wachstum mit der Zeit. Kleine Rassen sind häufig bereits mit etwa sechs Monaten nahezu ausgewachsen, während große Rassen zu diesem Zeitpunkt meist etwa zwei Drittel bis drei Viertel ihrer endgültigen Größe erreicht haben.
Mit nachlassenden Wachstum sinkt auch der Energiebedarf. Die tägliche Futtermenge wird deshalb schrittweise reduziert – zunächst auf etwa 3–5 % des Körpergewichts, später auf etwa 2–3 %, wenn der Hund ausgewachsen ist.
Wichtig zu wissen: Diese Werte sind immer nur Richtwerte. Wie viel ein Welpe tatsächlich benötigt, hängt stark vom individuellen Hund ab. Faktoren wie Alter, Aktivität, Stoffwechsel und Rasse spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Deshalb sollte die Futtermenge während des Wachstums regelmäßig angepasst werden. Es ist völlig normal, dass sich der Bedarf im Laufe der Zeit verändert und phasenweise auch deutlich schwanken kann.
Orientierungswerte im Überblick: Futtermenge für Welpen und Junghunde
Futtermenge pro Tag bei kleine Rassen:
10 Wochen: 6 - 8 % vom Körpergewicht
16 Wochen: 4 - 6 % vom Körpergewicht
6 Monate: 3 - 4 % vom Körpergewicht
Futtermenge pro Tag bei großen Rassen:
10 Wochen: 6 - 10 % vom Körpergewicht
16 Wochen: 4 - 8 % vom Körpergewicht
6 Monate: 4 - 6 % vom Körpergewicht
18 Monate: 2 - 4 % vom Körpergewicht
Warum zu viel Futter problematisch sein kann
Die richtige Futtermenge bedeutet nicht nur, ausreichend zu füttern, sondern auch, ein Zuviel an Futter zu vermeiden.
Das Wachstum eines Hundes ist genetisch festgelegt. Die Ernährung beeinflusst jedoch, wie schnell dieses Wachstum abläuft. Erhält ein Welpe dauerhaft zu viel Energie über das Futter, kann sich diese Entwicklung beschleunigen.
Dabei werden junge Hunde nicht unbedingt dick, sondern wachsen schneller in die Höhe und wirken eher schlaksig. Da Knochen und Gelenke in dieser Phase noch nicht vollständig belastbar sind, kann ein zu schnelles Wachstum den Bewegungsapparat zusätzlich belasten.
Mit einem gut aufgebauten Futterplan lässt sich ein gleichmäßiges und gesundes Wachstum jedoch sehr gut begleiten.
Woran erkenne ich die richtige Futtermenge?
Welpen sollten schlank wachsen. Rippen und Becken sollten gut tastbar sein, ohne deutlich hervorzutreten.

Um die Entwicklung besser einschätzen zu können, kann es hilfreich sein, das Gewicht regelmäßig zu kontrollieren. Viele Tierärzt:innen oder Züchter:innen stellen sogenannte Wachstumskurven zur Verfügung, die zeigen, welches Gewicht ein Welpe in welchem Alter ungefähr erreichen sollte. Ein wöchentliches Wiegen hilft dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Futtermenge bei Bedarf anzupassen – zum Beispiel dann, wenn der Welpe zu schnell oder nicht ausreichend zunimmt.

Wie oft sollte ein Welpe gefüttert werden?
Das Verdauungssystem junger Hunde ist noch nicht auf große Futtermengen ausgelegt. Die Aufteilung auf mehrere Mahlzeiten entlastet die Verdauung, sorgt für eine gleichmäßige Energieversorgung und ermöglicht die Nährstoffe gleichmäßig aufzunehmen.
Im Welpenalter sind in der Regel drei bis vier Mahlzeiten täglich sinnvoll. Mit zunehmendem Alter kann die Anzahl der Mahlzeiten schrittweise reduziert werden. Ab etwa der 16. Lebenswoche werden häufig nur noch drei Mahlzeiten gefüttert, und mit etwa sechs Monaten reichen meist zwei Mahlzeiten pro Tag aus.
Welpen sollten in der Wachstumsphase nicht fasten, da ihr Energiebedarf in dieser Zeit besonders hoch ist.

Warum die richtige Ernährung im Wachstum so wichtig ist
Welpen wachsen in kurzer Zeit sehr stark. Besonders bei großen Hunderassen wird diese Entwicklung deutlich sichtbar. Während ein Mensch viele Jahre benötigt, um sein Körpergewicht zu erreichen, kann eine Dogge bereits nach etwa anderthalb bis zwei Jahren rund 60 kg wiegen.
Diese intensive Wachstumsphase stellt hohe Anforderungen an den Körper. Eine passende und ausgewogene Ernährung unterstützt den Welpen dabei, sich gleichmäßig zu entwickeln und bildet die Grundlage für ein gesundes Hundeleben. Ziel der Fütterung sollte dabei immer ein langsames und gleichmäßiges Wachstum sein.
Hochwertige Zutaten wie frisches Fleisch, Gemüse und natürliche Fette liefern dem wachsenden Körper viele wichtige Nährstoffe. Werden diese in einem durchdachten Futterplan kombiniert, bietet BARF eine sehr gute Grundlage für eine gesunde Entwicklung.
BARF-Futterplan für Welpen: So wird die Ration aufgebaut
Der Aufbau eines BARF-Futterplans für Welpen ist weniger kompliziert, als viele zunächst denken. Grundsätzlich unterscheidet er sich nur wenig von dem eines erwachsenen Hundes. Der wichtigste Unterschied liegt in der höheren Futtermenge und der größeren Anzahl an Mahlzeiten, da der Energiebedarf im Wachstum deutlich erhöht ist.
Grundsätzlich setzt sich eine BARF-Ration aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Dazu gehören vor allem Muskelfleisch, Innereien, Pansen und Blättermagen, rohe fleischige Knochen sowie pflanzliche Komponenten wie Gemüse und Obst. Ergänzt wird die Ration je nach Bedarf durch Zusätze wie Öle, Seealgenmehl oder Dorschlebertran.

Beim Barfen von Welpen gibt es jedoch eine wichtige Besonderheit: In dieser Lebensphase werden in der Regel nur weiche, häufig auch gewolfte Knochen gefüttert, da harte Knochen von jungen Hunden oft noch nicht gut vertragen werden.
Weiche Knochen haben jedoch eine geringere Mineralstoffdichte und enthalten insbesondere weniger Calcium. Um den Bedarf an den wichtigen Mineralstoffen dennoch decken zu können, wird der Anteil an rohen fleischigen Knochen in Welpen BARF-Plänen entsprechend angepasst. Während bei der Fütterung von gemischten Knochen in der Regel etwa 15 % des tierischen Anteils ausreichen, kann der Anteil bei ausschließlich weichen Knochen auf 20 % erhöht werden. Diese Anpassung stellt sicher, dass dein Welpe ausreichend mit Mineralstoffen versorgt wird, ohne unnötig große Mengen Knochen zu füttern.

Ein weiterer Punkt, der gerade Einsteiger häufig verunsichert, ist die Frage nach der „perfekten Mahlzeit“. Viele Halter versuchen anfangs, jede einzelne Ration exakt auszubalancieren. In der Praxis ist das jedoch nicht notwendig.
Entscheidend ist vielmehr, dass alle wichtigen Bestandteile über mehrere Tage oder eine Woche hinweg in der richtigen Gesamtmenge gefüttert werden. Schwankungen in der Zusammensetzung einzelner Mahlzeiten sind dabei völlig normal und unproblematisch. Auch in der Natur enthält nicht jede Mahlzeit exakt die gleiche Nährstoffzusammensetzung.
Der pflanzliche Anteil der Ration sollte möglichst abwechslungsreich gestaltet werden. Ein Gemüse- oder Obst-Mix kann beispielsweise aus mindestens drei verschiedenen Gemüsesorten und zwei Obstsorten bestehen. Diese Vielfalt trägt dazu bei, unterschiedliche Nährstoffe bereitzustellen und den Futterplan ausgewogen zu gestalten.
Brauchen BARF-Welpen Nahrungsergänzungen?
Bei der BARF-Fütterung von Welpen wird in der Regel kein komplettes Beutetier verfüttert. Bestandteile wie Blut, Gehirn oder Fell fehlen häufig in Rationen. Diese liefern jedoch natürlicherweise verschiedene Nährstoffe, die bei einer beutenahen Ernährung berücksichtigt werden sollten.
Hinzu kommt, dass viele Futtermittel heute aus industrieller Tierhaltung stammen. Das Fleisch von diesen Tieren enthält in der Regel weniger Nährstoffe als beispielsweise Fleisch von freilebenden Beutetieren oder auch Tieren aus der Bio-Haltung.
Vor diesem Hintergrund können Nahrungsergänzungen sinnvoll sein. Einige dienen dazu, bestimmte Nährstoffe gezielt auszugleichen und sind somit essentiell, andere können je nach Situation ergänzend eingesetzt werden. Wichtig ist jedoch: Auch natürliche Zusätze sollten nicht wahllos verwendet werden. Entscheidend ist immer der individuelle Bedarf des Hundes und ein durchdachter Futterplan.
Getreide beim Welpen – sinnvoll oder nicht?
Die Fütterung von Getreide ist ein Thema, bei dem viele Hundehalter unsicher sind – besonders bei Welpen. Da junge Hunde Stärke in den ersten Lebensmonaten noch nicht vollständig verdauen können, werden sie häufig getreidearm oder getreidefrei ernährt. Erst mit zunehmendem Alter passt sich die Verdauung langsam auch an kohlenhydratreichere Kost an.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Getreide grundsätzlich ausgeschlossen werden muss. Kleine Mengen können sinnvoll eingesetzt werden – zum Beispiel, um den Körper behutsam an verschiedene Futtermittel zu gewöhnen. In diesem Zusammenhang spricht man von der sogenannten oralen Toleranz, also der Fähigkeit des Körpers, Nahrung als verträglich einzuordnen.
Auch bei sehr aktiven oder eher schlanken Welpen kann der gezielte Einsatz von Getreide oder Pseudogetreide wie beispielsweise Amaranth eine Möglichkeit sein, zusätzliche Energie bereitzustellen.

Zahnwechsel beim Welpen: Was bedeutet das für die Fütterung?
Im Laufe des Wachstums verändert sich nicht nur der Energiebedarf eines Welpen, sondern auch sein Fress- und Kaubedürfnis. Eine besonders prägende Phase ist der Zahnwechsel.
Dieser beginnt meist im Alter von etwa 16 Wochen und ist in der Regel mit etwa sieben Monaten abgeschlossen. Während Welpen zunächst 28 Milchzähne besitzen, hat ein erwachsener Hund später 42 Zähne.
Während des Zahnwechsels steigt das Kaubedürfnis vieler Welpen deutlich an. Das wirkt sich auch auf die Fütterung aus: Geeignete Kauartikel und passende Knochen können dabei helfen, die Milchzähne zu lösen, das Zahnfleisch zu massieren und den Welpen sinnvoll zu beschäftigen.
Doch nicht alle Knochen sind in dieser Phase geeignet. Markknochen und sehr harte, tragende Knochen von großen Tieren sind für Welpen ungeeignet. Sie sind sehr hart und können das Risiko für Zahnbrüche erhöhen. Bei Markknochen besteht außerdem die Gefahr, dass sie sich aufgrund ihrer Form über den Unterkiefer stülpen und dort hängenbleiben.
Mit der richtigen Auswahl an geeigneten Knochen und Kauartikeln lässt sich der Zahnwechsel sinnvoll unterstützen – und ganz nebenbei bleiben auch Möbel und Schuhe in der Wohnung heil.


Häufige Mythen rund um BARF bei Welpen
Mit der steigenden Popularität von BARF haben sich auch zahlreiche Mythen über die richtige Welpenfütterung verbreitet. Im Folgenden werden einige dieser Mythen genauer unter die Lupe genommen.
Mythos 1: Welpen müssen jede BARF-Komponente täglich bekommen
Viele Halter glauben, dass ein Welpe in jeder einzelnen Mahlzeit alle Bestandteile der BARF-Ration erhalten muss – also Muskelfleisch, Innereien, Knochen und Zusätze möglichst täglich und in genau abgestimmten Mengen.
In der Praxis ist das jedoch nicht notwendig. Der Körper eines Welpen kann Nährstoffe speichern und über einen gewissen Zeitraum nutzen. Das bedeutet, dass sich Schwankungen in der Zusammensetzung der Mahlzeiten ganz natürlich über mehrere Tage hinweg ausgleichen.
Es ist daher völlig unproblematisch, wenn bestimmte Bestandteile – wie zum Beispiel Innereien oder Knochen – nicht täglich gefüttert werden, sondern in sinnvollen Abständen über die Woche verteilt.
Entscheidend ist die Gesamtbilanz über mehrere Tage – nicht die perfekte einzelne Mahlzeit.
Mythos 2: Welpen brauchen besonders viele Knochen
Immer wieder hört man, dass Welpen besonders viele Knochen und damit viel Calcium benötigen, um gesund zu wachsen.
Tatsächlich ist das jedoch nicht der Fall. In einer ausgewogenen BARF-Ration liegt der Anteil an rohen fleischigen Knochen in der Regel bei etwa 15 % des tierischen Anteils. Werden ausschließlich weiche Knochen gefüttert, kann dieser Anteil auf etwa 20 % erhöht werden.
Darüber hinaus ist eine weitere Erhöhung nicht sinnvoll. Zu große Knochenmengen können das natürliche Gleichgewicht der Nährstoffe verschieben und die Aufnahme anderer wichtiger Nährstoffe beeinträchtigen.
Auch praktisch zeigt sich schnell, wenn zu viele Knochen gefüttert werden: Häufig kommt es zu sehr hartem Kot oder sogenanntem Knochenkot, was für den Welpen unangenehm sein kann.
Entscheidend ist nicht „möglichst viel“, sondern die richtige Menge an Knochen.
Mythos 3: Zu viel Eiweiß lässt Welpen schneller wachsen
Viele Hundehalter befürchten, dass ein hoher Eiweißgehalt in der Nahrung das Wachstum von Welpen beschleunigt und zu Problemen im Bewegungsapparat führen kann. Besonders im Zusammenhang mit BARF wird häufig angenommen, dass die Ernährung „zu proteinreich“ sei.
Studien zeigen jedoch, dass nicht der Proteingehalt der Nahrung entscheidend für das Wachstum ist, sondern die Energieaufnahme. Das Wachstum eines Welpen wird vor allem dadurch beeinflusst, wie viel Energie er insgesamt über das Futter erhält.
Erhält ein Welpe dauerhaft zu viel Energie – unabhängig davon, ob diese aus Fett, Kohlenhydraten oder Eiweiß stammt – kann sich das Wachstum beschleunigen. Genau darin liegt der entscheidende Faktor.
Ein reduzierter Proteingehalt würde in der Praxis meist nur dazu führen, dass stattdessen mehr Fett oder Kohlenhydrate gefüttert werden und damit sogar mehr Energie aufgenommen wird.
In einer ausgewogenen BARF-Ration stammt das Eiweiß überwiegend aus hochwertigem Muskelfleisch und entspricht damit der natürlichen Ernährung des Hundes. Ein „Zuviel“ an Eiweiß ist unter diesen Bedingungen kaum möglich und in keinem Fall der ausschlaggebende Faktor für Wachstumsprobleme.
Entscheidend für das Wachstums ist nicht, wie viel Eiweiß im Napf ist, sondern wie viel Energie der Welpe insgesamt aufnimmt.
Mythos 4: Das Calcium-Phosphor-Verhältnis muss exakt stimmen
Viele Hundehalter sind unsicher, ob sie beim Barfen das Calcium-Phosphor-Verhältnis exakt berechnen müssen. Häufig wird empfohlen, ein Verhältnis von genau 1,2 : 1 einzuhalten – teilweise sogar mit zusätzlichen Calciumquellen künstlich „nachzujustieren“.
In der Praxis ist eine solche Genauigkeit jedoch nicht notwendig. Bei einer ausgewogenen BARF-Ration ergibt sich in der Regel nahezu automatisch ein Verhältnis in einem passenden Bereich zwischen etwa 1 : 1 und 1,2 : 1.
Die Annahme, dass Phosphor die Aufnahme von Calcium stark beeinflusst und deshalb ein exaktes Verhältnis eingehalten werden muss, basiert auf älteren Erkenntnissen. Neuere Untersuchungen zeigen, dass dieser Zusammenhang in der Praxis weniger entscheidend ist als lange angenommen.
Wichtiger ist vielmehr, extreme Abweichungen zu vermeiden. Besonders eine zu hohe Calciumzufuhr kann sich negativ auswirken, da sie die Aufnahme anderer Nährstoffe beeinträchtigen kann.
Ein künstliches „Feintuning“ mit zusätzlichen Calciumquellen ist daher in der Regel nicht notwendig und kann das natürliche Gleichgewicht der Ration eher stören als verbessern.
Ein ausgewogener Futterplan sorgt in der Regel von selbst für ein passendes Calcium-Phosphor-Verhältnis in den Welpen-BARF-Mahlzeiten.
Viele Unsicherheiten rund um die Welpenfütterung entstehen durch solche Mythen. Ein Blick auf die Grundlagen zeigt jedoch: Mit einem durchdachten Futterplan lässt sich BARF auch bei Welpen gut und sicher umsetzen.
Fazit: BARF kann ein sehr guter Start ins Hundeleben sein
Gerade in den ersten Lebensmonaten legst du den Grundstein für die Entwicklung deines Welpen. In dieser Phase wächst er rasant und ist auf eine ausgewogene Versorgung mit Energie und Nährstoffen angewiesen.
BARF kann dabei eine sehr gute Möglichkeit sein, deinen jungen Hund artgerecht zu ernähren und ihn gesund ins Leben starten zu lassen. Welpen können grundsätzlich problemlos gebarft werden und auch eine Umstellung im neuen Zuhause ist meist sehr unkompliziert möglich.
Worauf es wirklich ankommt, ist kein perfekter Plan bis ins kleinste Detail, sondern ein gutes Grundverständnis: eine passende Futtermenge, mehrere Mahlzeiten am Tag und eine ausgewogene Zusammenstellung der Ration.
Mit diesem Wissen lässt sich ein BARF-Futterplan für Welpen sicher und alltagstauglich umsetzen – und damit eine stabile Basis für ein langes, aktives und gesundes Hundeleben schaffen. Wenn du dir unsicher bist, helfen dir zertifizierte Ernährungsberater:innen, BARF-Rechner oder gut konzipierte Leitfäden weiter.
Häufige Fragen rund um BARF für Welpen (FAQ)
1. Kann man einen Welpen sofort auf BARF umstellen?
Die Antwort darauf, ob man Welpen direkt auf BARF umstellen kann, findest du in dem Abschnitt "Welpen auf BARF umstellen – so klappt die Futterumstellung".
2. Wie viel BARF braucht ein Welpe pro Tag?
Die richtige Futtermenge für einen Welpen bzw. Junghund findest du im Abschnitt "Wie viel BARF braucht ein Welpe?".
3. Wie oft sollte ein Welpe pro Tag mit BARF gefüttert werden?
Wie viele Mahlzeiten ein Welpe bzw. Junghund pro Tag erhalten sollte, erfährst du in dem Abschnitt "Wie oft sollte ein Welpe gefüttert werden?".
4. Sollte ein Welpe getreidefrei bei BARF gefüttert werden?
Ob man Welpen Getreide füttern sollte oder besser nicht kannst du in dem Abschnitt "Getreide beim Welpen – sinnvoll oder nicht?" nachlesen.
5. Wie stelle ich einen BARF-Futterplan für Welpen auf?
Wie die BARF-Mahlzeiten für Welpen aufgebaut sein sollten erfährst du in dem Abschnitt "BARF-Futterplan für Welpen: So wird die Ration aufgebaut".
Literaturtipps
BARF: Die natürliche Aufzucht von Welpen mit BARF, BARF für Züchter
Swanie Simon, Verlag Drei Hunde Nacht,
7. Auflage 2012, 79 Seiten
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Das Barf-Buch: inklusive 14 Rezepten
Nadine Wolf
1. überarbeitete Auflage 2018, 163 Seiten
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Hunde barfen - Alles über Rohfütterung
Dr. med. vet. Julia Fritz, Verlag Eugen Ulmer
2., erweiterte Auflage, 231 Seiten
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