Hund und Wolf mit Futter in Landschaft

Die Verdauung des Hundes

Was uns der Wolf über artgerechte Ernährung lehrt

Die Beziehung zwischen Wolf und Hund reicht viele tausend Jahre zurück. Aus einem wildlebenden Beutegreifer entwickelte sich im Laufe der Domestikation der heutige Haushund – mit veränderten Lebensumständen, neuem Sozialverhalten und einer zunehmend vom Menschen bestimmten Ernährung.

Gerade im Zusammenhang mit artgerechter Fütterung stellt sich daher immer wieder die Frage, welche Rolle der Wolf als biologisches Vorbild noch spielt. Welche Gemeinsamkeiten bestehen bis heute, wo liegen die Unterschiede – und was lässt sich daraus für die Ernährung und die Verdauung des Hundes ableiten?

Die natürliche Ernährung des Wolfes

Ob Hunde direkt vom heutigen Wolf abstammen oder beide lediglich einen gemeinsamen, inzwischen ausgestorbenen, Vorfahren haben, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Unstrittig ist jedoch: Wolf und Hund gehören beide zur zoologischen Ordnung der Carnivoren, also der Raubtiere. Diese Einordnung beschreibt unter anderem den anatomischen Aufbau von Gebiss, Verdauungstrakt und Enzymausstattung.

Der Wolf ist ein klassischer Beutegreifer. In freier Wildbahn ernährt er sich von einer Vielzahl an Beutetieren: von Insekten und Kleinsäugern bis hin zu Rehen, Wildschweinen oder Vögeln ist die Spannbreite sehr groß. Entscheidend dabei ist aber nicht nur, was der Wolf frisst, sondern auch wie: seine Beutetiere werden nahezu vollständig verwertet. Neben Muskelfleisch stehen auch Innereien, Blut, Knochen sowie Fell oder Federn auf dem Speiseplan. Über den Mageninhalt pflanzenfressender Beutetiere nimmt der Wolf zudem kleine Mengen an vorverdauten pflanzlichen Bestandteilen auf.

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Innereien wie Leber, Herz und Niere liefern besonders viele lebenswichtige Nährstoffe und werden daher oft zuerst gefressen. Sehr harte tragende Knochen größerer Beutetiere hingegen werden meist nur abgenagt. Theoretisch könnte sich der Wolf auf diese Weise vollständig und ausgewogen ernähren – wenn dauerhaft ausreichend Beute verfügbar wäre. In der Realität ist das jedoch nicht immer der Fall. Zeiten von Nahrungsmangel, einseitiger Beute oder der Rückgriff auf Aas führen nicht selten zu Mangelerscheinungen.

Gelegentlich ergänzt der Wolf seine Nahrung durch Beeren, Gräser oder Wurzeln. Dies macht ihn jedoch nicht zum Allesfresser, sondern bleibt eine opportunistische Ergänzung innerhalb einer klar fleischbasierten, ernährungsphysiologisch carnivoren Ernährung.

Entwicklung Wolf zu Hund

Vom Wolf zum Hund – Anpassung an den Menschen

Die Domestikation des Wolfes hin zum Hund begann vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren. Mit der zunehmenden Nähe zum Menschen änderte sich nicht nur das Sozialverhalten des Hundes, sondern auch seine Ernährung. Hunde gingen nicht mehr selbst auf die Jagd, sondern waren darauf angewiesen, das zu fressen, was die Menschen ihnen überließen.

Über viele Jahrhunderte – insbesondere in Antike und Mittelalter – bestand die Fütterung von Hunden häufig aus Getreidebrei, Küchenabfällen, Milchprodukten und Knochenresten. Reines Muskelfleisch, Blut oder Innereien waren wertvolle Lebensmittel für den Menschen und standen Hunden meist nicht zur Verfügung. Dadurch unterschied sich die Ernährung des Hundes erheblich von der seines wilden Vorfahren.

Diese veränderten Lebens- und Fütterungsbedingungen führten dazu, dass sich der Hund in begrenztem Umfang an kohlenhydratreichere Nahrung angepasst hat. Hunde können dadurch Stärke besser verwerten als Wölfe. Dennoch blieb der grundlegende Aufbau des Verdauungstrakts weitgehend erhalten.

Der Hund ist auch heute noch ein Carnivore im zoologischen Sinne, wird ernährungsphysiologisch jedoch eher als fakultativer Carnivore bzw. Carniomnivore eingeordnet – also als Allesfresser mit deutlicher Ausrichtung auf tierische Nahrung. Ein echter Omnivore wie wir Menschen oder Schweine ist der Hund jedoch in keinem Fall.

Der Hund ist kein Wolf – aber auch kein Pflanzenfresser

Durch gezielte Zucht entstand im Laufe der Zeit eine enorme Vielfalt an Hunderassen. Heute gibt es – je nach Verband – zwischen 400 - 800 anerkannte Rassen, deren Körpergewicht von unter einem Kilogramm bis hin zu rund 90 Kilogramm reicht. Entsprechend groß ist die Bandbreite in Körperform, Fellstruktur und Leistungsfähigkeit: vom sehr schlanken Windhund bis hin zu massigen Molossern, von kurz- über langbeinig, von glattem bis zu stark gelocktem Fell.

Einige Rassen weisen zudem anatomische Besonderheiten auf, die die Nahrungsaufnahme oder Atmung einschränken können, etwa brachyzephale Hunde mit verkürztem Schädel. Viele dieser Hunde wären ohne menschliche Pflege und Unterstützung in der freien Natur kaum überlebensfähig. Damit unterscheiden sich die meisten heutigen Haushunde optisch und funktionell deutlich vom Wolf, dessen Unterarten bis heute vergleichsweise einheitlich in Körperbau und Proportionen geblieben sind.

Wolf auf Baumstamm
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Auch die Lebensweise des Hundes hat sich im Laufe der Domestikation deutlich verändert. Während Wölfe große Distanzen zurücklegen und ihr Leben primär auf Fortpflanzung und die eigenständige Nahrungsbeschaffung ausgerichtet ist, leben die meisten Hunde heute im Haus oder in der Wohnung, bewegen sich deutlich weniger und sind nicht selten von Übergewicht oder anderen Zivilisationskrankheiten betroffen.

Beim Hund steht heute nicht mehr die Erhaltung der Art, sondern vor allem das einzelne Individuum im Mittelpunkt. Parallel dazu hat sich auch sein Verhalten angepasst: Hunde sind stark auf den Menschen ausgerichtet, haben ein eigenes Sozialverhalten entwickelt und sind in der Lage, menschliche Mimik und Gestik zu lesen. Diese Fähigkeiten erleichtern das Zusammenleben mit uns und ermöglichen es ihnen, ihre Bedürfnisse im menschlichen Umfeld gezielt zu kommunizieren.

Trotz dieser tiefgreifenden Veränderungen ist der genetische Unterschied zwischen Wolf und Hund erstaunlich gering und beträgt lediglich etwa 0,15 %. Der Hund ist zwar kein Wolf mehr – trägt dessen biologische Grundlagen jedoch weiterhin in sich. Das gilt insbesondere für seinen Verdauungsapparat, der nach wie vor klar auf fleischbetonte Nahrung ausgerichtet ist. Pflanzliche Bestandteile können verwertet werden, allerdings nur begrenzt und abhängig von ihrer Aufbereitung.

Die Verdauung des Hundes

Um zu verstehen, welche Ernährung für den Hund sinnvoll ist, lohnt sich ein genauer Blick auf seinen Verdauungsapparat. Trotz Domestikation und großer äußerlicher Unterschiede ähnelt dessen grundlegender Aufbau noch immer stark dem eines klassischen Beutefressers wie dem des Wolfes. Die Verdauung des Hundes ist darauf ausgelegt, tierische Nahrung effizient zu verwerten – mit bestimmten Anpassungen, aber auch klaren Grenzen.

Schematische Darstellung Verdauungsorgane Hund

Der Verdauungstrakt des Hundes ist insgesamt kompakt und funktionell aufgebaut. Besonders deutlich wird dies am Aufbau seines Darms. Im Vergleich zu Pflanzenfressern, deren Darm je nach Art das 15- bis 25-fache der Körperlänge erreichen kann, ist der Darm des Hundes deutlich kürzer und einfacher strukturiert. Die Darmlänge des Hundes beträgt etwa das fünf- bis sechsfache seiner Körperlänge. Diese anatomische Ausprägung spiegelt wider, dass tierische Nahrung wesentlich leichter verdaulich ist als pflanzliche und daher eine kürzere Verweildauer im Darm erfordert.

Kleinere Hunde besitzen im Verhältnis zur Körpergröße einen etwas längeren Verdauungstrakt als große Hunde. Das erklärt, warum große Hunde häufig mehr Kot absetzen und in besonderem Maße von hochverdaulichem Futter profitieren.

Die Verdauung beginnt im Maul

Hunde sind Schlingfresser. Sie zerkleinern ihre Nahrung nur grob und kauen nicht intensiv, wie es etwa beim Menschen der Fall ist. Die Verdauung beginnt daher im Maul vor allem mechanischmit Hilfe von Zunge, Zähnen und Speichel. Größere Futterstücke werden nicht zermahlen, sondern so vorbereitet, dass sie möglichst gleitfähig durch die Speiseröhre in den Magen gelangen können.

Der Speichel des Hundes dient dabei fast ausschließlich als Gleitmittel. Anders als beim Menschen enthält er kaum Verdauungsenzyme, sodass im Maul noch keine enzymatische Aufspaltung der Nahrung stattfindet. Die eigentliche chemische Verdauung beginnt beim Hund erst im Magen.

Auffällig ist zudem, dass sich die Konsistenz des Speichels an die Art des Futters anpasst: Bei roher, frischer Nahrung ist er meist zäh und schleimig, während er bei Trockenfutter eher dünnflüssig und wässrig ist. Bereits das Sehen oder Riechen von Futter regt die Speichelproduktion an – also noch bevor der Hund zu fressen beginnt.

Sabbernder Hund vor Fleischstücken
Zahnformel Hund

Das Gebiss des Hundes ist klar auf das Beutegreifen und -fressen ausgelegt. Mit seinen insgesamt 42 Zähnen ist es darauf spezialisiert, Fleisch zu zerreißen, grob zu zerkleinern und Knochen abzunagen. Die kräftigen Eckzähne – auch Fangzähne genannt – dienten ursprünglich dem Greifen und Festhalten der Beute, während die Backenzähne (Molaren und Prämolaren) Fleisch und Knochen durchbeißen und grob zerkleinern können. Die Schneidezähne kommen vor allem beim Abknabbern von Fleischresten an Knochen zum Einsatz. Anders als Pflanzenfresser sind Hunde jedoch nicht in der Lage, ihre Nahrung zu zermahlen.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Maulflora. Die Mundschleimhaut des Hundes ist reich an guten, natürlichen Keimen und Bakterien, die an den ersten Verdauungsschritten beteiligt sind. Diese gesunde Maulflora wird durch Speichelfluss, Zungenbewegungen sowie das Kauen und Nagen aufrechterhalten, kann jedoch durch Zahnstein, Entzündungen oder Erkrankungen gestört werden.

Ein gesundes Gebiss, eine intakte Mundschleimhaut und eine unverletzte Zunge sind grundlegende Voraussetzungen für einen reibungslosen Start der Verdauung, bevor die Nahrung über die Speiseröhre aktiv in den Magen transportiert wird.

Enzymatische Verdauung im Magen

Beim Hund beginnt die eigentliche Verdauung nicht – wie etwa beim Menschen – bereits im Maul, sondern erst im Magen. Über den muskulösen Schlauch der Speiseröhre gelangt die nur grob zerkleinerte Nahrung zügig dorthin und wird hier erstmals intensiv chemisch verarbeitet.

Der Magen des Hundes ist groß, sehr dehnbar und muskulös. Diese anatomischen Besonderheiten ermöglichen es ihm, auch größere Futtermengen in vergleichsweise großen Stücken aufzunehmen und zu verdauen – ein deutliches Erbe aus der Zeit als Beutegreifer.

Im Inneren des Magens wird die Nahrung mit stark saurer Magensäure und Verdauungsenzymen vermischt. Die Magensäure des Hundes enthält etwa zehnmal so viel Salzsäure wie die des Menschen. Der pH-Wert schwankt dabei abhängig vom Fütterungszeitpunkt: Direkt nach der Nahrungsaufnahme liegt er zunächst bei etwa 5–6 und sinkt im weiteren Verlauf der Verdauung auf Werte bis unter 2. In diesem stark sauren Milieu beginnt die enzymatische Verdauung, insbesondere die Aufspaltung von Eiweißen durch das Enzym Pepsin.

Grafische Darstellung Verdauung Magen Hund

Damit die aggressive Magensäure die Magenwand nicht angreift, ist diese mit einer dicken Schleimschicht überzogen, die eine Selbstverdauung verhindert. Gleichzeitig trägt die hohe Säurekonzentration dazu bei, Keime und Bakterien, die mit der Nahrung aufgenommenen werden können, abzutöten – ein Mechanismus, der es Wölfen in freier Wildbahn sogar ermöglicht, problemlos Aas zu fressen. Allerdings werden nicht alle Keime zuverlässig zerstört. Einige, wie etwa Salmonellen, sind teilweise säureresistent. Aus diesem Grund bleiben Hygiene und Futterqualität – insbesondere bei der Rohfütterung – weiterhin von großer Bedeutung.

Wird der Hund dauerhaft nicht artgerecht ernährt, kann sich die Zusammensetzung und Konzentration der Magensäure verändern. In der Folge steigt die Anfälligkeit für Bakterien, und es kann vermehrt zu Magen-Darm-Beschwerden oder hörbaren Bauchgeräuschen kommen. Gleichzeitig beeinflusst die Beschaffenheit des Futters, wie lange der Nahrungsbrei im Magen verbleibt und wie gut er für die weiteren Verdauungsschritte vorbereitet wird.

Hauptverdauung im Dünndarm

Erst im nächsten Abschnitt des Verdauungstrakts, im Dünndarm, entfaltet sich die Verdauung in vollem Umfang. Hier werden die im Magen vorbereiteten Nahrungsbestandteile weiter aufgeschlossen, aufgenommen und dem Körper zur Verfügung gestellt. Der Dünndarm gliedert sich in den Zwölffingerdarm, Leerdarm und Hüftdarm und ist der zentrale Ort der Nährstoffaufnahme.

Damit die aggressive Magensäure aus dem Magen den Darm nicht schädigt, wird sie im Zwölffingerdarm durch ein alkalisches Sekret der Bauchspeicheldrüse neutralisiert. Der pH-Wert steigt dadurch auf etwa 6 an und schafft ein Milieu, in dem Verdauungsenzyme optimal arbeiten können.

Die Bauchspeicheldrüse gibt nun Enzyme ab, die Proteine, Fette und Kohlenhydrate weiter in ihre kleinsten Bausteine aufspalten. Unterstützt wird dieser Prozess durch die Leber und die Gallenblase, die Gallensäuren bereitstellen, welche für die Fettverdauung unverzichtbar sind.

Die Darmwand des Dünndarms ist stark gefaltet und mit Zotten sowie einem feinen Bürstensaum ausgestattet. Dadurch wird die Oberfläche massiv vergrößert, was eine besonders effiziente Aufnahme der Nährstoffe ermöglicht.

Die aufgespaltenen Bestandteile der Nahrung gelangen nun durch die Darmwand in den Körper und stehen dem Stoffwechsel zur Verfügung. Der Darminhalt ist in diesem Abschnitt sehr flüssig und besteht zu etwa 75 bis 90 % aus Wasser.

Grafische Darstellung Vedauung Dünndarm HundHund
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Die Bauchspeicheldrüse als Verdauungsorgan

Die Bauchspeicheldrüse spielt eine zentrale Rolle in der Verdauung, insbesondere bei der Aufspaltung von Fetten. Sie produziert wichtige Verdauungsenzyme, die im Dünndarm wirken und dort die weitere Zerlegung von Nährstoffen ermöglichen.

Darüber hinaus ist sie auch für den Hormonhaushalt von Bedeutung, da sie unter anderem Insulin und Glucagon bildet, die den Blutzuckerspiegel regulieren.

Die Bauchspeicheldrüse reagiert empfindlich auf Stress, bestimmte Medikamente und bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Erkrankungen der Pankreas können zu schweren Verdauungsstörungen führen und sich langfristig deutlich negativ auf die Nährstoff- und dabei vor allem auf die Fettverwertung - und schließlich auch das allgemeine Wohlbefinden des Hundes auswirken. Zu den häufigsten Erkrankungen zählen beim Hund die Pankreatitis und die exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI), welche eine dauerhaft fettarme Fütterung notwendig machen.

Nice to know: Warum Hunde pflanzliche Nahrung nur begrenzt verwerten können

Im Vergleich zu Pflanzenfressern ist der Darm des Hundes deutlich kürzer und somit insgesamt etwa 50 % kleiner. Das liegt daran, dass tierische Nahrung wesentlich leichter verdaulich ist als pflanzliche.

Kohlenhydrate, Getreide, Gemüse oder Obst können beim Hund daher nur eingeschränkt aufgeschlossen werden, da die Nahrung den Darm vergleichsweise schnell passiert und somit einfach zu kurz im Darm verweilt. Zudem bildet der Hund bei einem hohen pflanzlichen Anteil in der Nahrung weniger Magensäure als bei fleischreicher Kost.

Damit pflanzliche Bestandteile dennoch besser verwertbar sind, sollten sie stets gekocht oder fein püriert verfüttert werden. Durch diese Verarbeitung werden die pflanzlichen Zellwände aufgebrochen, was die Nährstoffaufnahme deutlich erleichtert. Nimmt man diese Verarbeitungsschritte nicht vor, so fungieren Gemüse und Obst lediglich als Ballaststoffe.

Weiterverarbeitung im Dickdarm

Nachdem er den Dünndarm passiert hat, gelangt der verbliebene Nahrungsbrei in den Dickdarm. Dieser ist beim Hund relativ kurz und einfach aufgebaut, übernimmt jedoch wichtige Aufgaben. Hier werden Wasser und Elektrolyte rückresorbiert, wodurch der Darminhalt eingedickt und schließlich zu Kot geformt wird. Gleichzeitig werden Abfallprodukte des Stoffwechsels in den Darm abgegeben.

Der Dickdarm ist außerdem Sitz einer hochkomplexen Darmflora. Milliarden von Mikroorganismen fermentieren unverdauliche Nahrungsbestandteile und bilden dabei unter anderem Vitamin K sowie Vitamine der B-Gruppe, die – je nach Art und Menge – zur Versorgung des Körpers beitragen können. Ein sauerstoffarmes Milieu ist für diese Bakterien essentiell und Voraussetzung für eine stabile Darmfunktion.

Schematische Darstellung Verdauung Dickdarm Hund

Darüber hinaus spielt der Darm eine zentrale Rolle für das Immunsystem: Ein großer Teil der körpereigenen Abwehr befindet sich im Darm. Ist die Darmschleimhaut geschädigt oder die Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten, können eigentlich harmlose Stoffe vermehrt in den Blutkreislauf gelangen. Mögliche Folgen sind unter anderem Futtermittelunverträglichkeiten oder allergische Reaktionen.

Im letzten Abschnitt des Dickdarms, dem Mastdarm, wird Schleim gebildet, der die Ausscheidung des Kots erleichtert. Störungen im Dickdarm können sich daher nicht nur in veränderter Kotkonsistenz oder Durchfall äußern, sondern auch weitreichende Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit haben.

Was uns der Kot über die Qualität des Futters verrät

Am Ende des Verdauungsprozesses wird der eingedickte Nahrungsbrei über den After ausgeschieden. Dabei geben die Analdrüsen ein Sekret ab, das den Kot zusätzlich befeuchtet und das Ausscheiden erleichtert.

Kotmenge, Konsistenz, Farbe und Geruch können wertvolle Hinweise auf die Art, Qualität und Verdaulichkeit des Futters geben. Bei einer gut verträglichen und ausgewogenen Ernährung ist der Kot in der Regel fest, aber nicht hart, gut geformt und lässt sich problemlos absetzen. Idealerweise setzt ein gesunder Hund ein- bis zweimal täglich Kot ab, in vergleichsweise kleinen Mengen.

Veränderungen des Kots können unterschiedliche Ursachen haben. Ein sehr harter Kot oder sogenannter Knochenkot kann beispielsweise entstehen, wenn zu große Mengen an Knochen gefüttert werden und im schlimmsten Fall sogar zu Verstopfungen führen. Umgekehrt kann Durchfall auftreten, wenn die Nahrung den Magen-Darm-Trakt zu schnell passiert oder nicht optimal zusammengesetzt ist. Neben der Fütterung beeinflussen jedoch auch Faktoren wie Stress, Bewegung, allgemeiner Gesundheitszustand oder die Menge an Leckerli die Kotbeschaffenheit. Bei anhaltenden Problemen mit zu weichem oder zu hartem Kot sollte daher immer tierärztlicher Rat eingeholt werden.

Eng mit der Kotmenge verknüpft ist die Verdaulichkeit des Futters. Sie beschreibt den Anteil der Nahrung, der tatsächlich vom Körper aufgenommen und genutzt wird. Schon vergleichsweise kleine Unterschiede können dabei große Auswirkungen haben: Eine um etwa 10 % geringere Verdaulichkeit kann die Kotmenge nahezu verdoppeln. Frisches Muskelfleisch weist z. B. eine Verdaulichkeit von rund 98 % auf, pflanzliche Bestandteile wie Erbsen sind bei etwa 85 %. Selbst zubereitete Rationen erreichen häufig Verdaulichkeitswerte von über 90 %, während industriell stark verarbeitete Futtermittel oft deutlich darunter liegen.

Als Faustregel gilt: Je höher die Verdaulichkeit eines Futters, desto geringer die Kotmenge – und desto besser wird der Hund mit Nährstoffen versorgt.

Fazit: Artgerechte Hundeernährung im Spiegel der Evolution

Auch wenn der Hund heute kein Wolf mehr ist, so trägt er dessen Verdauungssystem noch nahezu unverändert in sich. Trotz Domestikation, veränderter Lebensweise und großer äußerlicher Unterschiede hat sich der grundlegende Aufbau des Verdauungsapparates im Laufe der Evolution kaum verändert. Lediglich die Fähigkeit, Stärke und damit bestimmte Kohlenhydrate zu verwerten, ist beim Haushund stärker ausgeprägt als beim Wolf. Das macht den Hund jedoch nicht zu einem Allesfresser.

Ein Blick auf den Wolf hilft dabei, diese biologischen Grundlagen besser einzuordnen. Wölfe decken ihren gesamten Nährstoffbedarf durch den Verzehr ganzer Beutetiere – roh, naturbelassen und in einer Zusammensetzung, die ihrem Verdauungssystem optimal entspricht. Da wir unseren Hunden keine ganzen Beutetiere verfüttern können, besteht die sinnvollste Alternative darin, ihre Mahlzeiten so zusammenzustellen, dass sie diesem natürlichen Vorbild möglichst nahekommen: mit hochwertigem tierischen Protein und Fett, ergänzt durch gezielt ausgewählte und gut aufbereitete pflanzliche Bestandteile und Supplemente.

Mehr zu Nahrungsergänzungen beim Barfen

Wolf und Hund beim Fressen im Vergleich
Schematische Darstellung Fütterung nach dem Beutetier-Prinzip

Wie gut ein Hund Nahrung verwerten kann, zeigt sich nicht zuletzt an seiner Verdauung. Der gesamte Verdauungsprozess dauert beim Hund etwa einen Tag und wird unter anderem vom Zerkleinerungsgrad des Futters, der Fütterungsfrequenz, dem Ballaststoffgehalt sowie von ausreichender Ruhe nach dem Fressen beeinflusst. Die Qualität, Zusammensetzung und Aufbereitung der Nahrung haben einen entscheidenden Einfluss auf Verdauung, Kotmenge, Darmgesundheit und nicht zuletzt auf das Immunsystem.

Artgerechte Hundeernährung bedeutet daher nicht, den Hund zu „vermenschlichen“, sondern seine physiologischen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Unsere Hunde sind bei ihrer Ernährung vollständig auf uns angewiesen – wir entscheiden, was in ihrem Napf landet. Eine bewusste, bedarfsgerechte Fütterung, die sich an den biologischen Voraussetzungen des Hundes orientiert, bildet die Grundlage für eine stabile Verdauung, eine gesunde Darmflora und ein langfristiges Wohlbefinden.

Vor diesem Hintergrund ist BARF eine besonders naheliegende Möglichkeit, deinen Hund bedarfsgerecht, gesund und im Einklang mit seiner biologischen Herkunft zu ernähren.

Häufige Fragen zur Verdauung von Hund & Wolf (FAQ)

Wie unterscheidet sich die Verdauung von Hund und Wolf?

Wie genau sich die Verdauung von Hund und Wolf unterscheidet, wird im Abschnitt "Vom Wolf zum Hund – Anpassung an den Menschen" erläutert.

Ist der Hund ein Fleischfresser oder ein Allesfresser?

Die Antwort darauf, ob der Hund ein Fleisch- oder Allesfresser ist, findest du in dem Abschnitt "Vom Wolf zum Hund – Anpassung an den Menschen".

Warum wird der Wolf als Vorbild für die Hundeernährung herangezogen?

Warum der Wolf als Vorbild für die Hundeernährung herangezogen werden kann, findest du in dem Abschnitt "Der Hund ist kein Wolf – aber auch kein Pflanzenfresser" erklärt.

Wo beginnt die Verdauung beim Hund?

An welcher Stelle die Verdauung beim Hund beginnt, erfährst du in dem Abschnitt "Die Verdauung beginnt im Maul".

Welche Rolle spielt der Magen bei der Verdauung des Hundes?

Wichtige Information zur Rolle des Magens bei der Verdauung des Hundes findest du im Abschnitt "Enzymatische Verdauung im Magen".

Wo findet die Hauptverdauung beim Hund statt?

Wo die Hauptverdauung beim Hund stattfindet, erfährst du im Abschnitt "Hauptverdauung im Dünndarm".

Warum ist der Darm des Hundes kürzer als der von Pflanzenfressern?

Welche Bedeutung hat die Darmflora für die Gesundheit des Hundes?

Die Bedeutung der Darmflora für die Gesundheit des Hundes wird in dem Abschnitt "Weiterverarbeitung im Dickdarm" genauer erläutert.

Was sagt der Kot eines Hundes über die Verdaulichkeit des Futters aus?

Welche Rückschlüsse man vom Kot des Hundes auf das Futter, welches er bekommen hat, ziehen kann, erfährst du im Abschnitt "Was uns der Kot über die Qualität des Futters verrät".

Warum orientiert sich BARF an der natürlichen Ernährung des Wolfes?

Warum sich BARF an der natürlichen Ernährung des Wolfes orientiert, erfährst du im "Fazit: Artgerechte Hundeernährung im Spiegel der Evolution".

Literaturtipps

BARF - Rohfütterung für Hunde

Dr. med. vet. Danja Klüver, Kosmos Verlag,
Ausgabe 2016, 112 Seiten
Hier geht’s zum Buch

Mythen der Hundefütterung - Irrtümer rund um die Ernärhrung des Hundes

Nadine Fahrenkrog, Verlag Eugen Ulmer,
Ausgabe 2014, 128 Seiten
Hier geht’s zum Buch

Gesunde Ernährung für Hunde

Dr. Martin Bucksch, Kosmos Verlag
Ausgabe 2017, 128 Seiten
Hier geht’s zum Buch

Hunde barfen - Alles über Rohfütterung

Dr. med. vet. Julia Fritz, Verlag Eugen Ulmer
2., erweiterte Auflage, 231 Seiten
Hier geht’s zum Buch

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